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Preistreiber Fernwärme: Warum sich die Fernwärme so kaum durchsetzen wird

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Fernwärme gilt als bequeme und vielerorts auch „umweltfreundliche“ Lösung – immerhin braucht man keinen Gaskessel. Man muss nur (wo es möglich ist) einen Anschluss herstellen und die Wärme kommt ins Haus. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild. Die Kostenstruktur entwickelt sich in eine Richtung, die für Eigentümer und Bauträger zunehmend schwer argumentierbar ist.

Fernwärme: Berechnung aufgrund der Preisbasis aus 2021 trifft auf Kostenrealität 2026

Ein Blick in konkrete Projektunterlagen zeigt die aktuelle Schieflage sehr deutlich. In einer aktuellen Preisindikation für eines unserer Sanierungsobjekte in Wien wird der Arbeitspreis mit 74,02 €/MWh auf Basis 2021 angegeben.

Diese Basis stammt aus einer Zeit vor Energiekrise, vor massiven Marktverwerfungen und vor den jüngsten CO₂-Kostensteigerungen. Gleichzeitig erfolgt die laufende Anpassung über Indizes.

Und da entsteht ein großes Problem: Die Ausgangswerte aus einem günstigen Jahr treffen auf eine Preisentwicklung, die längst in anderen Sphären angekommen ist. Das führt zu einem signifikanten Anstieg bei den Wärmekosten.

Fernwärme: 50 Prozent Plus in wenigen Jahren

Der Fernwärmeindex in Wien zeigt seit 2020 einen Anstieg um rund 50 bis 55 % bis 2026. Diese Entwicklung kommt nicht überraschend. Sie ist die direkte Folge der eingesetzten Energieträger und der Preisbindungssystematik. Denn: Wer bei Fernwärme an „grüne Wärme aus der Leitung“ denkt, irrt sich. Die Fernwärme hängt stark am Gas. Ein großer Teil der Fernwärme kommt aus Anlagen, in denen Erdgas verbrannt wird, um gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen. Diese Anlagen laufen vor allem dann, wenn Strom gebraucht wird. Die Wärme fällt dabei quasi als Nebenprodukt an und wird ins Netz eingespeist.

Der Anteil von Gas an der Fernwärme liegt je nach System bei etwa 60 bis 70 %. Damit ist jede Bewegung am Gasmarkt automatisch auch eine Kostentreiber bei der Fernwärme.

Fernwärme: Gas bleibt der Taktgeber

Die Gaspreisentwicklung in Österreich zeichnet ein klares Bild:

  • 2020: rund 0,06 €/kWh
  • 2021: rund 0,08 €/kWh
  • 2022: bis zu 0,25 €/kWh
  • 2023: etwa 0,14–0,16 €/kWh
  • 2024: etwa 0,11–0,13 €/kWh
  • 2025: etwa 0,10–0,12 €/kWh
  • 2026: etwa 0,095–0,11 €/kWh

Der aktuelle Bereich liegt damit rund 70 % über dem Niveau von 2020. Gleichzeitig gab es von 2025 auf 2026 nochmals eine Steigerung von etwa +17 % in Teilsegmenten.

Diese Bewegungen schlagen zeitversetzt auf die Fernwärme durch. Preisbremsen oder kurzfristige Entspannungen wirken nur verzögert.

System mit eingebautem Aufwärtsdruck

Fernwärme kombiniert mehrere Kostentreiber:

  • Energieeinsatz mit hohem Gasanteil
  • CO₂-Bepreisung mit steigender Tendenz bis 2027
  • indexgebundene Preisbestandteile
  • hohe Infrastrukturkosten
  • langfristige Bindungen ohne echte Alternative

Das Ergebnis ist ein System, das Preissenkungen kaum weitergibt, während Steigerungen zuverlässig ankommen.

Hohe Einstiegskosten als zusätzliche Hürde

Neben den laufenden Kosten fällt bereits der Einstieg ins Gewicht. Für ein konkretes Wiener Wohnprojekt ergibt sich ein Kundenbeitrag von rund 180.000 € für den Anschluss und die Hausstation. Das bedeutet: Noch bevor eine einzige Kilowattstunde Wärme geliefert werden kann, muss massiv investiert werden. Für viele Projekte eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

Fernwärme: Die Planbarkeit leidet

Gaspreise, CO₂-Kosten und Indexanpassungen greifen ineinander. Daraus ergibt sich eine Dynamik, die sich nur schwer sauber prognostizieren lässt. Dadurch bleiben die Kalkulationen für Ziviltechniker:innen, Entwickler:innen und Eigentümer:innen vage und unberechenbar.

Alternative Systeme gewinnen an Gewicht

Mit jeder Preisrunde verschiebt sich die Betrachtung. Systeme mit höherem Anteil an erneuerbarer Energie oder mit direkter Steuerbarkeit gewinnen an Attraktivität.

Dazu zählen etwa: Wärmepumpen in Kombination mit einer Gebäudesanierung, hybride Lösungen mit einem niedrigerem Fremdenergieanteil oder dezentrale Konzepte mit höherer Kostenkontrolle. Der Fokus liegt eindeutig auf der langfristigen Wirtschaftlichkeit.

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